Mit Engagement, Mut und Ehrlichkeit den demographischen Wandel anpacken

Über den Umgang mit dem demografischen Wandel berichtete Landrat Stefan G. Reuß aus dem Werra-Meißner-Kreis
Über den Umgang mit dem demografischen Wandel berichtete Landrat Stefan G. Reuß aus dem Werra-Meißner-Kreis
Diskussionsbeitrag eines Bürgers
Diskussionsbeitrag eines Bürgers

Wie stellen sich die Sozialdemokraten die Entwicklung des ländlichen Raums unter den Folgen des demographischen Wandels vor?

Dies war die zentrale Frage einer Veranstaltung, zu der der Landtagsabgeordnete Tobias Eckert (SPD) am 20. August 2013 um 19.00 Uhr nach Weinbach eingeladen hatte. Gastredner war Stefan Reuß, Landrat des Landkreises Werra-Meißner, einem Landkreis, welcher schon seit geraumer Zeit mit dem demographischen Wandel zu kämpfen hat.

Demographischen Wandel aktiv gestalten
Zahlreiche Kommunalpolitiker aus dem Landkreis sowie viele Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, um sich zu informieren und mitzudiskutieren.
Bei seiner Begrüßung würdigte Tobias Eckert die Leistungen von Stefan Reuß und seinen Umgang mit dem demographischen Wandel in seinem Landkreis. Herr Eckert ermutigte die Anwesenden, den demographischen Wandel als Fakt anzuerkennen und sich keine Illusionen über eine Änderung der Geburtenraten zu machen. Die Situation im Landkreis Limburg-Weilburg sei nicht so dramatisch wie im Werra-Meißner Kreis, jedoch zeige sich auch in unserem ländlichen Kreis erste Symptome, mit denen der Werra-Meißner Kreis heutzutage kämpft. Er forderte dazu auf, mit Engagement, Mut und Ehrlichkeit den demographischen Wandel aktiv zu gestalten, und appellierte dabei auch an die Verantwortung der Landes- und Bundespolitik.

Hessen braucht einen neuen Hessenplan
Stefan Reuß hielt einen sehr interessanten Vortrag. Der 42-jährige Familienvater von zwei Kindern ermutigte die Zuhörer anhand von sehr praktischen Beispielen zu Themen wie Kindertagesstätten, Grundschulen, DSL-Versorgung, Seniorenheime und die ärztliche und medizinische Versorgung auf dem Land sowie die Dorferneuerung, dass man den demographischen Wandel aktiv gestalten und so Zukunftsperspektiven für den ländlichen Raum schaffen kann. Ein sehr interessantes Beispiel war die Situation eines Krankenhauses. Mit einer Restrukturierung, und zwar nicht von Unten nach Oben, sondern von Oben nach Unten, wurde ein Krankenhaus wieder profitabel. Es reiche jedoch nicht, dass alleine die Kommunen die Probleme anpacken, sondern man brauche auch die Unterstützung des Bundes und insbesondere des Landes. Als Beispiel nannte er den Großen Hessenplan von Georg August Zinn. Damals wurde in die Infrastruktur im ländlichen Raum investiert, sodass es zur Errichtung von Schulneubauten, Sportstätten, Bürgerhäusern, Dorfgemeinschaftshäusern etc. kam. Heutzutage stehen in der Nahrungskette der schwarz-gelben Bundes- und Landesregierung die Kommunen ganz unten.
Nach dem Vortrag von Herrn Reuß gab es auch interessante Beiträge von Kommunalpolitikern der Region wie Helmut Jung und Hartmut Bock (beide SPD). So führten beide aus, dass auch in unserem Landkreis die Bevölkerung dramatisch abnimmt, die Innenstadt von Weilburg in völligem Stillstand liegt und man diese Herausforderung endlich begreifen und anpacken muss.
Am Ende bedankte sich Tobias Eckert recht herzlich bei den vielen Gästen der Veranstaltung. So erklärte er am Ende, dass „die Zukunft des Landes in den Kommunen entschieden wird – sie müssen vernünftig ausgestattet werden, damit sie handlungsfähig bleiben und nicht nur Mangel verwalten, sondern auch im Sinne der Bürger gestalten können. Wenn die Menschen nicht mehr an die Gestaltungskraft der Politiker glauben können, dann wird die Demokratie auf die Dauer generell gefährdet.“